Google machte 2009 rund 97 Prozent seines Umsatzes durch Werbeeinnahmen. Mit Adwords und Adsense besitzt Google knapp 63 Prozent Marktanteil weltweit im Onlinewerbegeschäft. Hier wollen Microsoft und Apple mitverdienen.
Experten schätzen den Markt für inhaltsbezogene Anzeigen im Internet auf bis zu 50 Mrd. $ pro Jahr. Allein in Deutschland betrugen die Bruttowerbeumsätze laut Nielsen im Jahr 2009 rund 1,6 Mrd. Euro. Das macht ein Plus von fast zehn Prozent – und das trotz der Wirtschaftskrise. Vielmehr verstärkt die Wirtschaftskrise den Trend zur Onlinewerbung: In Großbritannien bspw. machte der Onlinewerbemarkt 2009 erstmals den größten Teil des Gesamtwerbemarktes aus. Onlinewerbung sei, so Analysten bei PwC, besser messbar und damit krisensicherer in einem unstabilen Umfeld.
Ein Stück von diesem großen Kuchen wollen sich nun auch Unternehmen wie Microsoft und Apple sichern. Microsoft versucht schon seit längerem, im Markt für Onlinewerbung Fuß zu fassen. Die hauseigene Suchmaschine ”Bing” gewinnt gegenüber Google Marktanteile und die vereinbarte Suchpartnerschaft mit Yahoo soll weitere Anteile am Markt sichern. Microsoft hat es v.a. auf das Geschäft mit “Display-Anzeigen” abgesehen. “Display-Anzeigen” sind Werbebanner auf beliebigen Werbeseiten ohne direkten Bezug zu einer Suchabfrage.
Auch Apple versucht, sich Anteile des Onlinewerbemarktes zu sichern. Apples Strategie sind Werbung auf Smartphones und E-Readern. Gerade 2009 kaufte Apple den Werbevermarkter Quattro Wireless, der rund 21 Mio. $ Erlös mit Onlinewerbung machte. Apple will damit die Werbung auf Applikationen für ihre iPhones und iPods kontrollieren. Im Moment macht der Anteil der mobilen Werbung am gesamten Onlinewerbemarkt nur ca. 6 Prozent aus. Die meisten Analysten gehen aber davon aus, dass mit der weiteren Steigung von Smartphoneverkäufen, dem Ausbau des mobilen Datenverkehrs und dem steigenden Verkauf von Apps die Umsätze im mobilen Onlinewerbebereich drastisch steigen werden.
Google möchte im Segment der mobilen Onlinewerbung der Konkurrenz von Microsoft (eigenes Betriebssystem: Windows Mobile) und Apple nicht nachstehen und entwickelte zunächst ein eigenes Betriebssystem für Smartphones (Android) und brachte nun dieses Jahr auch ein eigenes Mobiltelefon auf den Markt: den Nexus One. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass es Google hierbei nicht um Umsätze mit dem Gerät an sich oder den Verkauf von Apps auf der eigenen Plattform “Android Marketplace” geht, sondern um die Kontrolle des mobilen Onlinewerbemarktes durch eigene Software und Hardware.
Der mobile Onlinewerbemarkt wird allen Prognosen nach zu urteilen sehr schnell wachsen und einen beträchtlichen Teil des gesamten Onlinewerbemarktes ausmachen. Sollte sich hier Apple gegenüber Google behaupten können? Kann Microsoft auf der anderen Seite Google im Werbemarkt mit “Display-Anzeigen” Anteile abnehmen? Würde dieser Angriff auf zwei Fronten dazu führen, dass es zu einer Marktverschiebung im Onlinewerbemarkt kommt? Wie realistisch solch ein Szenario sein könnte sieht man vielleicht an der Vehemenz mit der Google z.Z. versucht in den mobilen Markt einzudringen.
Wie seht Ihr das?
Vergleiche: FTD Online 2010.








Kommentar von Simon — 10. Februar 2010 @ 17:39
zur FTD Grafik: Der iPod Touch IST eine Spielekonsole und wir von Steve Jobs neuerdings auch so positioniert… von daher sollte da noch ein Punkt sein !
Kommentar von Patrick — 11. Februar 2010 @ 07:35
Wenn man das iPhone als Spielekonsole werten würde, dann müsste man es mit dem Nexus One, respektive anderen Android-Geräten genauso tun. Denn Spiele gibt es für dieses mobile OS ebenfalls, wenn vielleicht noch nicht so in der Breite.
Kommentar von Patrick — 11. Februar 2010 @ 07:36
Für iPod touch gilt natürlich gleiches
Kommentar von Amin — 23. Februar 2010 @ 10:52
Heute sind zu diesem Thema neue Zahlen vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) veröffentlicht worden. Der Brutto-Online-Werbemarkt in Deutschland sei in 2010 um 14 % auf 4,7 Milliarden Euro gestiegen. Treiber seien hierbei das mobile Internet und das Social-Media-Umfeld. Die Brutto-Listenpreise sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da z.B. bei klassischen Online-Werbeformen wie Bannern oder Video’s die Schere zwischen Bruttopreise und den letztlichen Nettopreisen sehr groß ist: 2,2 Milliarden Euro Brutto-Listenpreis gegenüber 700-800 Millionen Euro, die tatsächlich in die Kassen der Online-Vermarkter flossen. Betrachtet man den reinen Nettowert des Online-Werbemarktes in Deutschland besitzt Google einen Marktanteil von 60 %.